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Paganini at the Piano CDPaganini at the Piano: Arrangements and Variations by [Mark] Hambourg, [Ferruccio] Busoni, [Michael] Zadora, [Ignaz] Friedman und [Boris] Papandopulo
Goran Filipec, Piano
Aufgenommen im Februar 2017, erschienen ℗ 2018
GRAND PIANO GP769, im Vertrieb von NAXOS
… Filipec hat die spielerische Virtuosität, um die leicht perlende Eleganz auf dem Klavier umzusetzen …

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Nein, hier wird keine Klaviermusik von Nicolò Paganini vorgespielt, hier geht es um Bearbeitungen von oder Variationssätze über Kompositionen des Teufelsgeigers: „Das vorliegende Album enthält in der Hauptsache die Musik von Pianisten, die um 1900 dem Vorbilde Liszts folgten und ihrerseits den »grandiosen Stil« repräsentierten“ heißt es im Booklet. Der „grandiose Stil“ ist eine romantische Spielart, „die sich durch große musikalische Linien, einen deklamatorischen Charakter und brillante, kräftige pianistische Effekte auszeichnete und die wohl bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts weiterwirkte“ (ebda.).

Franz Liszt hat verschiedentlich Werke des großen Konzertrepertoires seiner Zeit für Klavier bearbeitet – unter ihnen alle neun Symphonien von Beethoven, Opernparaphrasen nach Bellini, Donizetti, Verdi oder Richard Wagner und auch, als „Grandes Études de Paganini“, fünf der vierundzwanzig Violin-Capricen von Nicolò Paganini. Gerade diese virtuosen Schaustücke haben immer wieder Instrumentalisten fasziniert und angeregt, sie für ihr eigenes Instrument zu bearbeiten. So beginnt auch die CD mit „Variations on a theme by Paganini“ von Mark Hambourg (1879–1960). Das Thema: Capriccio Nº 24.

Was wird auf der CD geboten? Stücke komponierender Pianisten … allerdings von solchen, die mit ihrer Musik nicht unbedingt zu Weltruhm gelangt sind … sieht man von Ferrucio Busoni (1866–1924) ab. Von ihm hören wir „Introduzione e Capriccio (Paganinesco)“ von 1909 (bzw., in einer zweiten Auflage, von 1925). Busonis „Capriccio“ besteht aus Variationen über und Paraphrasen zu musikalischem Material aus Paganinis Capricen  Nº 11 und 15. Was die jeweiligen Ursprungskompositionen angeht, haben die meisten Bearbeiter das populäre Thema aus der Nº 24 benutzt. Dabei handelt es sich um das berühmteste und zweifellos eingängigste Capriccio, das besonders durch Sergej Rachmaninovs „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ für Klavier und Orchester (UA 1934 in Baltimore/Rachmaninov am Klavier/ Philadelphia Orchestra, Leopold Stokowski) berühmt geworden ist und auch sonst durch zahllose Zitate und Bearbeitungen.

Michael Zadora (1882–1946), Schüler von Theodor Leschetitzky, hat zwei Kompositionen zum Thema Paganini beigesteuert. Beide beziehen sich auf Violin-Capricen und bewegen sich recht nah‘ an den Vorlagen entlang. Die berühmte – Nº 24 – lässt Zadora aus, nicht so Ignaz Friedman (1882–1948) und – wie beschrieben – Mark Hambourg, die beide ebenfalls bei Leschetitzky studiert haben. Den Schluss des Programms bilden „3 Capriccios after Paganini“ von Boris Papandopulo (1906–1991). Der Komponist mit dem unverkennbar griechischen Namen war Kroate und in Bad Honnef als Sohn eines griechischen Barons und einer kroatischen Opernsängerin geboren. Was er zum Thema „Paganini“ zu sagen hatte, sollte man sich zu Herzen nehmen … weil es deutlich über das Paraphrasieren und Diminuieren hinausgeht, das den meisten Kollegen eingefallen ist. Nein, Papandopulo meint es ernst, er kommentiert in aktueller Sprache und eröffnet neue Perspektiven, frisch und dynamisch, pointiert und farbenfroh.

Und Goran Filipec weiß, wie er mit den kollegialen Anmerkungen von Hambourg, Busoni und den anderen umzugehen hat. Filipec hat die spielerische Virtuosität, um die leicht perlende Eleganz auf dem Klavier umzusetzen, die wir von Paganini, dem Geiger und Gitarristen, kennen.

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Franz Liszt KlavierwerkeFranz Liszt: The Great Piano Works
Diverse Interpreten
Aufgenommen zwischen 1994 und 2016, erschienen ℗ 2017
15CD, BRILLIANT CLASSICS 95564

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Philip Borg-Wheeler schreibt zu Liszts Etüden im Booklet der Liszt-Edition bei Brilliant-Classics (S. 7): „Liszt composed his Grandes études de Paganini (five of his six are based on some of his 24 Caprices for violin) in 1838-39. Performed here are Liszt’s later (less complex) versions from 1851. The dazzling third study (‚La Campanella‘), the most familiar, is based on the rondo from Paganini’s Second Violin Concerto. Both the polonaise and the ballade are genres perfected by Chopin, but Liszt’s fine examples – two in each form – owe little to Chopin’s influence.“ Heute wird fast ausschließlich die spätere Version von 1851 gespielt.

Die Interpretation der Paganini-Etüden – nur dieser Etüden – in der Liszt-Edition stammt von Goran Filipec, dem Pianisten, der auch die CD „Paganini at the Piano“ eingespielt hat. Filipec wurde 1981 in Rijeka in Kroatien geboren. Studiert hat er in Moskau, Den Haag, Köln und Zagreb. Vor der Paganini-Platte hat er beim gleichen Label je eine CD mit Musik von Ivo Maček und Blagoje Bersa eingespielt (GP 681 und 767).